AS IF WE WERE SOMEBODY ELSE

Kurzfilm, 2015 - 23 min [view trailer]


 

Premiere auf den Internationalen Hofer Filmtagen, Oktober 2015

 

Buch & Regie: Christine Lang // Kamera: Dirk Lütter ('Work Hard - Play Hard' / 'Die Ausbildung') // Schnitt: Jihyeon Park // Musik: They Just Strut / Robot Koch u.a. // Produktion: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und Christine Lang



Text: Bert Rebhandl


„Was ist los mit dir?“ Diese Frage, die im Alltag so oft beiläufig auf eine Entzifferung rätselhafter Subjektivität zielt, wird in AS IF WE WERE SOMEBODY ELSE zu einem Schlüssel für die Beziehungen zwischen drei Mädchen. Nike, eine helle, fast schon transparente Erscheinung nicht nur durch ihre blonden Haare, die sie kurz trägt, ist befreundet mit Jess, die ihre Vertrauensstellung mit einem saloppen „Ey, Schatz“ bei der gemeinsamen Schminkpause im Bad während einer Party zum Ausdruck bringt. Nike ist aber mit Lea gekommen, mit der sie eben noch Klamotten kaufen war, und die auch Ansprüche stellt, wie sie zwischen Freundinnen in der Adoleszenz ganz normal sind. Es ist aber eben nichts ganz normal in diesem Alter, das ja per definitionem erst auf Subjektivierung zielt, auf den Übergang zwischen „jemand anderer (Kind) sein“ und „jemand sein“. Dieser Übergang aber ist niemals linear.


In der knappen Form eines auf wenig mehr als 20 Minuten verdichteten Coming-of-age-Dramas erzählt Christine Lang von einer Jugend, die als Spannungsverhältnis zwischen Rollenbildern und Selbstinszenierungen, zwischen Momenten der Verletzlichkeit und siegessicherem Gruppenselfie begriffen wird. Nike passt in dieses flüchtige Bild nicht wirklich hinein, sie ist die ganze Zeit hindurch halb abwesend, als würde sie sich in der distanzierenden, stilisierten Form des Films selbst beobachten. Mit gleitenden, genau interpunktierten Kamerabewegungen durchmisst Christine Lang die Welten von Nike, Jess, Lea und ihren Freunden. Farblich werden immer wieder Akzente gesetzt, die sowohl filmhistorisch wie warenästhetisch lesbar sind und Kulturgeschichte mit Szenecodes verbinden. Die Musik legt einen Schleier über die Geschichte, in der die Plot Points beiläufig gesetzt werden, weil es eher darum geht, ein Wirklichkeitsverhältnis zu problematisieren, als es ereignishaft konkret werden zu lassen.


Musik, zumal die elektronische in AS IF WE WERE SOMEBODY ELSE, erzählt nicht in erster Linie, sondern akzentuiert. Dies gilt im Grunde auch für den Film insgesamt, der mit Gesten und Insignien, mit Ritualen und Sprachfärbungen an das Geheimnis rührt, das die Jugendlichen sich und einander sind.